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Nachlass Leopold Koppel

Übernahme von Fotografien aus dem Nachlass von Leopold Koppel (1854-1933)

4. Oktober 2016

Bislang waren zu Leopold Koppel, einem der bedeutendsten Förderer der Kaiser-Wilhelm Gesellschaft, keine fotografischen Zeugnisse bekannt. Durch einen Ankauf des Archivs der Max-Planck-Gesellschaft konnte diese Überlieferungslücke nun geschlossen werden.
Leopold Koppel
Leopold Koppel

Nach anhaltenden Verhandlungen wurden im September 2016 Fotografien und weitere Unterlagen aus dem Nachlass Leopold Koppels in das Archiv der Max-Planck-Gesellschaft übernommen. Insbesondere die Fotos stellen eine seit längerer Zeit angestrebte Ergänzung des Bildbestands dar.

Der deutsch-jüdische Bankier und Unternehmer Leopold Koppel, geboren 1854 in Dresden, gestorben 1933 in Berlin, war einer der wichtigsten privaten Förderer der 1911 gegründeten Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft. Am 28. Oktober 1911 wurde durch die 1905 von ihm gegründete „Koppel-Stiftung zur Förderung der geistigen Beziehungen Deutschlands zum Auslande“ die rechtsfähige Stiftung „Kaiser-Wilhelm-Institut für Physikalische Chemie und Elektrochemie“ errichtet (heute Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft). Koppel verausgabte eine Million Mark für das Institut sowie weitere Zuschüsse in der Höhe von jährlich 35.000 Mark.

Geleitet wurde er bei seiner großzügigen Unterstützung wohl nicht nur durch den Prestige-Aspekt, die Ansehnlichkeit des Mäzenatentums, sondern vorrangig durch wirtschaftliche Interessen. Koppel war Mitgründer, Großaktionär und Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Gasglühlicht AG (Degea, später Auer-Gesellschaft, von der 1918 die Osram-Werke abgetrennt wurden).
Die Leitung des neu gegründeten Instituts erfolgte durch den Stiftungsrat, dem selbstverständlich auch der Gründer der Stiftung angehörte. Somit nahm Koppel u. a. Einfluss auf die Besetzung des Postens des Institutsdirektoren mit Fritz Haber (1868-1930). Nicht zuletzt stand die Wissenschaftsförderung im Zusammenhang mit der bevorzugten Nutzung von Patenten.
In der Folge wurde Leopold Koppel Senator der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft und damit Mitglied des wichtigsten Entscheidungsgremiums der Großforschungseinrichtung KWG. In den Jahren 1916/1917 stellte Koppel zur Gründung der Kaiser-Wilhelm-Stiftung für kriegstechnische Wissenschaft (KWKW) weitere zwei Millionen Mark zur Verfügung. Im Mai 1933 musste Koppel unter dem Druck der NS-Herrschaft aus dem Senat ausscheiden. Seine Familie emigrierte nach Kanada und in die USA.

In dem Wirken Leopold Koppels als Stifter und Förderer der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft kann ein idealtypischer Rückkopplungseffekt zwischen Wirtschaft und Wissenschaft gesehen werden. Bezeichnend ist zudem, wie Koppel es verstand, den Staat verbindlich in die Förderung miteinzubeziehen, indem er seine Stiftungen an die Bedingung kontinuierlicher Zuschüsse auch aus dem Staatshaushalt knüpfte.

Die einzige bislang bekannte Darstellung des Stifters bestand in einer anonymen Karikatur aus dem Jahr 1914, die Leopold Koppel zusammen mit weiteren Mäzenen der KWG, dem Großbankier James Simon (1851-1932) und dem Unternehmer Eduard Arnhold (1849-1925) zeigt.

Beinahe zwei Jahre, von der ersten Bewertung der Unterlagen bis zum Abschluss der Vertragsverhandlungen, nahm die Akquirierung der Fotografien und weiteren Unterlagen aus dem Nachlass Koppel in Anspruch. Mit der Übernahme konnte nun eine bisher vorhandene Überlieferungslücke geschlossen werden. Nach erfolgter Erschließung werden diese Dokumente im Archiv der Max-Planck-Gesellschaft für die historische Forschung zugänglich sein.


Verwandte Bestände im Archiv der MPG:

  • Fotobestände zu Fritz Haber und dem Kaiser-Wilhelm-Institut für physikalische Chemie und Elektrochemie
  • I. Abt., Rep. 1A, Generalverwaltung der KWG, Nr. 58 (Senatsmitglieder), Nr. 59 ff. (Protokolle der Senatssitzungen), Nr. 1217 (Koppel-Stiftung), Nr. 2997, 3001 (Mitgliedsakten), Nr. 1158-1216 (KWI für physikalische Chemie und Elektrochemie)
 
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